Videoschnitt

Apple bestätigt Export-Problem bei Final Cut Pro X

Von Jörg, 15.01.2015 | 1 Kommentar » |

Mit komprimierten Vorschau-Dateien beschleunigt Apple den Videoschnitt bei Final Cut Pro X. Doch es gibt ein großes Problem mit den so genannten Proxy-Medien: die Filme werden aus dem Speicher-Sparmodus heraus nur in schlechter Qualität exportiert.

Wer mit dem Videoschnittprogramm Final Cut Pro X seine Filmaufnahmen bearbeitet, der muss nicht mit den riesigen Originaldateien arbeiten und sein Laptop bis an die Grenzen belasten. Die Alternative: so genannte Proxy-Medien. Das sind kleingerechnete Videoclips, die auf die großen Originaldateien verweisen und den Vorteil haben, dass sie wesentlich weniger Speicherplatz und Ressourcen verbrauchen. Der Film lässt sich damit in der Timeline flink bearbeiten und der Computer wird entlastet.

Diese Proxy-Dateien haben eine deutlich schlechtere Qualität als die Ursprungsvideos. Das ist beim Schneiden nicht so wichtig. Das Problem bei Final Cut Pro X zeigt sich erst beim Export. Denn beim Rendern des Films bedient sich das Schnittprogramm nicht etwa wie üblich an den Originaldateien, sondern an den Proxy-Medien mit der minderwertigen Qualität.

Ein Apple-Mitarbeiter bestätigt am Telefon, dass die Vorschaudateien tatsächlich als Grundlage für den Export genommen werden. Intern wird der Fehler nicht als Problem behandelt, sondern als „erwartetes Verhalten“. Der Apple-Mitarbeiter, der gerne anonym bleiben möchte, hält den Proxy-Export allerdings für problematisch und sagt, dass dies „auf jeden Fall korrigiert“ werden müsse. „Das ist sehr unglücklich“, sagt der Apple-Angestellte, „da besteht dringender Optimierungsbedarf“. Man müsse den Nutzer zumindest warnen, dass die Filme nicht in bestmöglicher Qualität ausgegeben werden. Sein Vorschlag: „Wenigstens ein Hinweisfenster sollte erscheinen.“

Den Entwicklern bei Apple ist das Export-Problem offenbar schon länger bekannt. Im Kapitel „Umcodieren von Mediendateien“ steht in der englischsprachigen Anleitung der folgende Warnhinweis: „Wichtig: wenn Sie Proxy-Medien nutzen für die Wiedergabe, dann stellen Sie sicher, dass sie zurück auf Optimierte/Original-Medien wechseln, bevor Sie das Projekt teilen. Das garantiert die höchste Qualität der exportierten Datei.“ Der Absatz ist offenbar nachträglich hinzugefügt worden. Denn in anderen Ausgaben des Handbuchs werden die Nutzer nicht gewarnt. In der deutschen Fassung beispielsweise fehlt der Hinweis komplett.

Qualitätsunterschiede sind mit bloßem Auge zu erkennen

Der Unterschied zwischen den Originalvideos und den kleingerechneten Vorschauclips ist oft sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Der Grund: die Proxy-Medien sind stark komprimiert und laufen mit einer wesentlich geringeren Datenrate ab als Videos, die etwa mit einer Spiegelreflexkamera oder einem iPhone aufgenommen werden. Apple selbst empfiehlt, die Proxy-Medien (ProRes 422 Proxy) aufgrund der Bildqualität maximal zum Schneiden zu benutzen.

Auf diesem Bild etwa sieht man den Vergleich zwischen einem Video, das mit dem iPhone 5S aufgenommen wurde, und dem gerenderten Film, der die Proxy-Filmchen exportiert:

Vergleich zwischen Export mit Proxy-Medien in Final Cut Pro X und einer Originalaufnahme mit dem iPhone 5S.

Links: Screenshot der Originalaufnahme mit dem iPhone 5S (720p, 120 Bilder pro Sekunde). Rechts: das Export-Video auf Basis der Proxy-Medien (Export-Auswahl: Originaldatei)

An den Armen und der Rückennummer des Ballkünstlers ist deutlich zu sehen, dass die Qualität leidet, wenn man Proxy-Filmchen exportiert. Die Konturen franzen aus, es bilden sich viele Artefakte. Eine tückische Falle. Denn nicht immer fällt der Unterschied zum Originalvideo so gravierend aus wie in diesem Beispiel. Vermutlich sind bereits viele Videos exportiert worden, die eigentlich in bester Qualität ins Netz gehen sollten – und dennoch nur mit magerer Bildrate gerendert worden sind.

Lösung: die Vorschau komplett neu berechnen

Das lässt sich nur vermeiden, wenn man vor dem Export die Vorschau im Schnittfenster zurück auf Originalmedien stellt. Das ist bitter. Denn spätestens jetzt stoßen genau die Rechner an ihre Grenzen, die mit den Vorschau-Filmchen eigentlich geschont werden sollten. Alle Clips und Effekte in der Timeline müssen neu berechnet werden, bevor der Film in ordentlicher Qualität exportiert werden kann. So endet das Projekt nach der schnellen Schnippelei im Proxy-Modus dann doch noch in einer ärgerlichen Render-Arie.

Die bestmögliche Qualität wird nur dann exportiert, wenn der Nutzer vor dem Export auf die Vorschau mit Originalmedien wechselt

Wer den fertig geschnittenen Film in bestmöglicher Qualität exportieren möchte, der muss auf den kleinen Pfeil oberhalb des Vorschaufensters klicken und unter „Medien“ die Auswahl „Optimiert/Original“ treffen.


Technik & Gadgets, Video

Eine Antwort zu “Apple bestätigt Export-Problem bei Final Cut Pro X”

  1. Hans Paul Isenrath sagt:

    Sehr geehrter Herr Breithut,
    das folgende Problem konnte ich auch nach Konsultierung etlicher Foren nicht lösen: digitalisierte hi8-Videos mit ihrer ohnehin für heutige Ansprüche bescheidenen Qualität werden in Final cut nochmals schlechter (unschärfer), selbst bei negativen Skalieren, z.B. 40%.
    Wissen Sie einen Weg?
    Danke für eine Antwort
    H. Paul Isenrath

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