So findet Facebook deine Freunde

Facebook Safety Check

„Safety Check“ soll bei Katastrophen vermitteln

Eine neue Facebook-Funktion soll zwischen Menschen in einem Katastrophengebiet und Angehörigen vermitteln. Doch die automatische Auswahl der Betroffenen birgt Risiken.

Mark Zuckerberg macht Facebook zur Vermittlungsplattform bei Naturkatastrophen. Am Mittwoch hat das soziale Netzwerk die neue Funktion „Safety Check“ vorgestellt, die etwa nach einem Erdbeben oder einem Tsunami zwischen Familienangehörigen und Freunden vermitteln soll. „In Zeiten von Katastrophen und Krisen wenden sich Menschen an Facebook um zu schauen wie es Angehörigen geht und um Neuigkeiten zu erfahren“, heißt es in einem Blogbeitrag des sozialen Netzwerks.

Die mutmaßlich betroffenen Personen werden automatisch markiert. Anhand des eingetragenen Wohnorts, der „Freunde in der Nähe“-Funktion und anhand der Stadt, in der sich der Nutzer ins Internet einwählt, ordnet Facebook ein, ob sich ein Mitglied innerhalb eines Katastrophengebiets befindet. Sobald sich das Mitglied nach Facebook-Berechnungen in einem Risikobereich aufhält, sendet Facebook eine Nachricht mit der Frage, ob alles in Ordnung ist. Auf diese Frage kann der Nutzer genau zwei Antworten geben:

– Mir geht es gut.
– Ich halte mich nicht in dem betroffenen Gebiet auf.

Auswahl bei Safety Check

Das ist ein hilfreicher Service für alle, die regelmäßig bei Facebook unterwegs sind und häufig ihren Status aktualisieren. Wer „Safety Check“ aktiviert hat und unmittelbar nach einem Erdbeben angibt, außer Gefahr zu sein, sendet auf diesem Weg eine schnelle Entwarnung an Familienangehörige und Freunde, die sich Sorgen machen.

Doch bis zum letzten Detail scheint die Funktion noch nicht durchdacht zu sein. Das Problem: Facebook markiert Mitglieder automatisch, die sich in einem Katastrophengebiet aufhalten könnten und „Safety Check“ eingeschaltet haben. So heißt es beispielsweise: „14 Freunde befinden sich in dem betroffenen Gebiet.“ Doch diese Aussage beruht auf einer Mutmaßung.

Die Folge: mit diesem schlichten Algorithmus könnte Facebook auch Menschen zu potentiellen Opfern machen, die nicht von der Katastrophe betroffen sind. Das könnte zum Problem für alle werden, die sich selten bei Facebook anmelden und ihren Wohnort beispielsweise nach einem Umzug im Profil nicht angepasst haben. Wer von Facebook im Gefahrengebiet vermutet wird und sich selbst nach einer Katastrophe nicht rasch mit „Ich bin okay“ markiert, der bleibt auf der Risikoliste – und Freunde und Angehörige machen sich grundlos Sorgen.

Facebook drückt die falschen Knöpfe

Facebook sagt „Buzzfeed“, „Heftig“ und Co. den Kampf an. Klickfänger-Beiträge sollen künftig abgestraft werden. Doch die Methoden des sozialen Netzwerks sind mehr als fragwürdig.

Eine Dankeswelle schwappt Facebook entgegen. Der Grund: das soziale Netzwerk will die Timelines der Nutzer zu einem Ort ohne Klickfänger-Überschriften machen. Es soll Schluss sein mit Heftigstyle, Clickbait-Beiträge sollen verbannt und Postings mit falschen Versprechungen abgestraft werden. Das sorgt für Erleichterung im Netz. „Endlich“, titelt „Mobilegeeks“ und freut sich auf die Sanktionen gegen „Buzzfeed“, „Heftig“ und Co. Und Daniel Fiene verkündet eine „gute Nachricht“ für die Nutzer in seinem Blog.

Der Schritt ist nachvollziehbar. Schließlich haben Clickbait-Portale wie „Buzzfeed“, „Upworthy“ und „Heftig“ die Lockmechanismen perfektioniert und mit Facebook die perfekte Plattform gefunden, um massenhaft neugierige Leser auf ihre Seiten zu locken. Dem sozialen Netzwerk schmeckt das gar nicht. Immer wieder schrauben die Entwickler an der Timeline der Nutzer, die Inhalte sind längst nicht mehr chronologisch aufgelistet, sondern von unzähligen Faktoren beeinflusst.

Doch nun verliert Facebook immer mehr die Kontrolle, während „Buzzfeed“ und Co. die Timelines übernehmen. Die Entwickler wirken beinahe hilflos, in der Mitteilung von Facebook heißt es: „Mit der Zeit verdrängen Clickbait-Überschriften den Inhalt von Freunden und Seiten aus der Timeline, für die sich die Nutzer wirklich interessieren.“  Nun sagt das soziale Netzwerk dem Heftigstyle den Kampf an.

Doch wie genau sollen die Übeltäter eigentlich enttarnt werden? Laut Facebook sollen die Statusmeldungen einzeln überprüft werden. Natürlich nicht manuell. Die Kontrolle übernimmt ein Algorithmus. Doch welche Kriterien zeichnet eine Klickopfer-Überschrift aus, die automatisch erkannt werden soll? Facebook erklärt in Ansätzen, was den Heftigstyle in einer Beitragsüberschrift auszeichnet:

1. Wenn die Nutzer auf einen Link klicken und unmittelbar danach zurück zu Facebook kommen, dann könne man davon ausgehen, dass sie nicht das gefunden haben, was sie gesucht haben.

2. Wenn viele Nutzer auf einen Link klicken, aber verhältnismäßig wenig Leser den Beitrag kommentieren oder mit „Gefällt mir“ markieren, dann geht man bei Facebook auch von Clickbait-Einträgen aus.

„Buzzfeed“ und Co. müssen keine Angst haben

Wie bitte? Beweise für Statusmeldungen im Heftigstyle sind also die Verweildauer auf dem Artikel und die „Gefällt mir“-Angaben unter dem Posting? Sprich: ein Facebook-Beitrag ist kein Klickfänger, wenn sich dahinter ein langer Text verbirgt, der den Leser bis zum Schluss fesselt. Das hat ziemlich wenig miteinander zu tun. Ein Beispiel: Redakteure teilen eine Eilmeldung bei Facebook und die Leser klicken auf den Link zur Meldung, die aus wenigen Sätzen besteht und den Kern der Nachricht transportiert. Ein kurzer Absatz, den man in wenigen Sekunden überflogen hat. Die Leser kehren also schnell wieder zurück zu Facebook. Nach der neuen Regel: klares Clickbaiting.

Das Portal „Heftig“ kommt da meist besser weg. Die Nutzer fragen sich, was wohl in diesem unglaublich rührenden Video passieren wird und klicken auf das Facebook-Posting. Auf dem Portal finden sie den eingebetteten Clip, den sie sich anschauen. Das dauert. Den Verweildauer-Wettbewerb hat „Heftig“ in diesem Fall also gewonnen. Mit Klickfängerei hat das reichlich wenig zu tun – und der Strafmechanismus trifft die Falschen.

Schauen wir uns das zweite Kriterium an, das Klickopfer-Beiträge identifizieren soll. Die Anzahl der „Gefällt mir“-Angaben und die Kommentare unter dem Facebook-Beitrag. Wenn es danach geht, dann müssen sich „Buzzfeed“, „Upworthy“ und „Heftig“ keine Sorgen machen. Die Beiträge der Portale zählen bis zu zehntausende Likes und Kommentare. Und die meisten dieser Nutzer werden den Artikel zuvor auch angeklickt haben. Denn das ist schließlich das Ziel der Heftigstyle-Headlines.

McFit und das defekte Hashtag

Twitter ist nur ein Nebenschauplatz bei der Werbe-Offensive der Fitnesscenter-Kette McFit. Leider merkt man das. Denn die Kampagne ist eigentlich gut gelungen. Nach und nach werden seit Dezember die mehr als 150 Studios in ganz Deutschland aufgehübscht. Das McFit-Markendesign ist komplett überarbeitet worden, das Logo leuchtet in neuen Farben, die Bildsprache ist deftiger. Es gibt kaum noch eine U-Bahn-Station in Städten mit McFit-Studios, die nicht mit schweißgebadeten und gut aussehenden Muskel-Models plakatiert sind.

Mit markigen Sprüchen wie “Immer wenn du in die Knie gehst, stehst du stärker wieder auf” oder “Zwischen deinem Ziel und dir steht nur eine Person: Du.” appellieren die Studio-Betreiber an alle Sportwilligen, die im Winter den Kampf gegen den inneren Schweinehund verloren haben – und über die Feiertage ein paar Kilo zugelegt haben. Der Hochglanz-Stil kann sich sehen lassen, finden auch Experten der Branche. “Insgesamt wirkt das Design wertiger”, heißt es auf dem Fachblog “Designtagebuch”.

Die Kampagne hat nur einen Haken. Oder besser gesagt: ein paar große Lücken. Denn McFit will das Motto “Der Wille in dir” auch großflächig ins Netz verfrachten, schmückt damit die eigene Website, das Facebook-Profil – und verwendet das Motto eben auch bei Twitter. Doch die Twitter-Kampagne stand offenbar weit unten auf der Wunschliste der McFit-Marketingchefs. Der einzige Hinweis auf den Plakaten ist die Raute vor dem Wörtchen “#Der”. Ein Hashtag also?

Nicht wirklich, da der Rest des Mottos irgendwie nicht dazu gehört. Denn: Twitter betrachtet jedes Hashtag nach einem Leerzeichen automatisch als vollendet. Der Journalist Daniel Bröckerhoff findet direkte Worte bei Twitter:

 

Eigentlich soll das Motto ja zusammenhängend als Hashtag funktionieren, also: “#derwilleindir”. So macht es auch das Social-Media-Team von McFit vor:

Nur: das Wörtchen “#Der” als Hashtag zu kennzeichnen ist eine ziemlich halbgare Lösung, ein trauriger Kompromiss. Aber warum ist das Hashtag überhaupt zerstückelt worden? Daniel Bröckerhoff hat das McFit-Team bei Twitter gefragt. Ein Mitarbeiter sagt, dass „man etwas Neues probiert“ habe. „Das Konzept Hashtag haben wir durchaus verstanden“. Die Folge ist eine Kompromisslösung:

Das stimmt, das Hashtag „#derwilleindir“ ist an sich sehr fragwürdig, einige User machen sich bei Twitter darüber lustig.

 

Doch die Konsequenz, die McFit aus dem Lesbarkeits-Dilemma gezogen hat, ist unglücklich. Denn nun ist der Slogan ein bisschen Hashtag und ein bisschen Slogan. Die Kampagne hätte davon profitiert, wenn die Werbeprofis nicht zu viele Kompromisse eingegangen wären. Der Slogan hätte auch ohne Raute funktioniert, ein Hinweis auf den Hashtag am Bildrand hätte genügt.

Dann wäre das Hashtag vielleicht auch schmissiger ausgefallen. “#deinwille” etwa. Kürzer, lesbarer. Aber das ist die Aufgabe der verantwortlichen Werber. Moment, die Berliner Agentur Dojo hat doch die Plakate entworfen und ist auch bei Twitter. Die müssten das Problem mit dem Hashtag doch erkannt haben. Leider nein. Denn auf den zweiten Blick ist der Dojo-Account nur ein Facebook-Ticker. Aber auch das ist keine Ausrede für das verunglückte Hashtag. Denn das Social-Media-Team von McFit war involviert:

Update (4. Januar, 12.15 Uhr): In einem Blogbeitrag reagiert McFit auf die Kritik am Hashtag. Dort heißt es: „Technisch funktioniert dieser Hashtag nicht. Das wissen wir. Für uns ist die Raute im Slogan ein grafisches Element, das zugleich in die Social Media Welt verweist. Dort setzen wir die Kampagne fort.“

Fans verspotten Adriano nach Skandaltreffer

Skandaltor in der Champions League: anstatt dem Gegner den Ball zu überlassen, ignoriert der Stürmer Luiz Adriano die Fairplay-Regel und schießt ein Tor. Er muss viele Beschimpfungen über sich ergehen lassen – doch sein Trainer verteidigt ihn. Die Ereignisse als Storify-Geschichte:

Twitter fällt weltweit aus

Plötzlich hatte es sich ausgezwitschert: am Donnerstagabend ist der Kurznachrichtendienst Twitter zusammengebrochen. Gegen 18 Uhr war die Seite nicht mehr erreichbar. Es war offenbar ein globaler Crash, denn auch US-Nachrichtenseiten wie Techcrunch meldeten zu dieser Zeit, dass die Twitter-Seite offline sei. Ein Blick auf die Performance-Daten der Entwickler-Schnittstelle bei Twitter zeigte, dass bis auf den Userstream kein Dienst mehr richtig funktionierte.

Einige Nutzer wichen in dieser Zeit einfach auf Facebook aus. Während etwa eine Stunde nach dem Ausfall die ersten Meldungen auftauchten, dass Twitter langsam wieder arbeite, machten sich andere Nutzer einen Spaß aus dem Crash. Wie der Blogger Peter Glaser. Er postete Stastusmeldungen wie „Twitter ist im iMer“ und in Anspielung auf die Überlastungsgrafik des Twitter-Wals: „Wer den Wal hat, hat die Qual.“