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Wenn Roboter zu Rassisten werden

Screenshot Locky

Locky infiziert 17.000 Rechner an einem Tag

Gar nicht so einfach, Gutes zu tun

Final Cut Pro X exportiert Filme im Proxy-Modus in ziemlich übler Qualität. Quelle: Apple

Apple bestätigt Export-Problem bei Final Cut Pro X

Mit komprimierten Vorschau-Dateien beschleunigt Apple den Videoschnitt bei Final Cut Pro X. Doch es gibt ein großes Problem mit den so genannten Proxy-Medien: die Filme werden aus dem Speicher-Sparmodus heraus nur in schlechter Qualität exportiert.

Wer mit dem Videoschnittprogramm Final Cut Pro X seine Filmaufnahmen bearbeitet, der muss nicht mit den riesigen Originaldateien arbeiten und sein Laptop bis an die Grenzen belasten. Die Alternative: so genannte Proxy-Medien. Das sind kleingerechnete Videoclips, die auf die großen Originaldateien verweisen und den Vorteil haben, dass sie wesentlich weniger Speicherplatz und Ressourcen verbrauchen. Der Film lässt sich damit in der Timeline flink bearbeiten und der Computer wird entlastet.

Diese Proxy-Dateien haben eine deutlich schlechtere Qualität als die Ursprungsvideos. Das ist beim Schneiden nicht so wichtig. Das Problem bei Final Cut Pro X zeigt sich erst beim Export. Denn beim Rendern des Films bedient sich das Schnittprogramm nicht etwa wie üblich an den Originaldateien, sondern an den Proxy-Medien mit der minderwertigen Qualität.

Ein Apple-Mitarbeiter bestätigt am Telefon, dass die Vorschaudateien tatsächlich als Grundlage für den Export genommen werden. Intern wird der Fehler nicht als Problem behandelt, sondern als „erwartetes Verhalten“. Der Apple-Mitarbeiter, der gerne anonym bleiben möchte, hält den Proxy-Export allerdings für problematisch und sagt, dass dies „auf jeden Fall korrigiert“ werden müsse. „Das ist sehr unglücklich“, sagt der Apple-Angestellte, „da besteht dringender Optimierungsbedarf“. Man müsse den Nutzer zumindest warnen, dass die Filme nicht in bestmöglicher Qualität ausgegeben werden. Sein Vorschlag: „Wenigstens ein Hinweisfenster sollte erscheinen.“

Den Entwicklern bei Apple ist das Export-Problem offenbar schon länger bekannt. Im Kapitel „Umcodieren von Mediendateien“ steht in der englischsprachigen Anleitung der folgende Warnhinweis: „Wichtig: wenn Sie Proxy-Medien nutzen für die Wiedergabe, dann stellen Sie sicher, dass sie zurück auf Optimierte/Original-Medien wechseln, bevor Sie das Projekt teilen. Das garantiert die höchste Qualität der exportierten Datei.“ Der Absatz ist offenbar nachträglich hinzugefügt worden. Denn in anderen Ausgaben des Handbuchs werden die Nutzer nicht gewarnt. In der deutschen Fassung beispielsweise fehlt der Hinweis komplett.

Qualitätsunterschiede sind mit bloßem Auge zu erkennen

Der Unterschied zwischen den Originalvideos und den kleingerechneten Vorschauclips ist oft sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Der Grund: die Proxy-Medien sind stark komprimiert und laufen mit einer wesentlich geringeren Datenrate ab als Videos, die etwa mit einer Spiegelreflexkamera oder einem iPhone aufgenommen werden. Apple selbst empfiehlt, die Proxy-Medien (ProRes 422 Proxy) aufgrund der Bildqualität maximal zum Schneiden zu benutzen.

Auf diesem Bild etwa sieht man den Vergleich zwischen einem Video, das mit dem iPhone 5S aufgenommen wurde, und dem gerenderten Film, der die Proxy-Filmchen exportiert:

Vergleich zwischen Export mit Proxy-Medien in Final Cut Pro X und einer Originalaufnahme mit dem iPhone 5S.

Links: Screenshot der Originalaufnahme mit dem iPhone 5S (720p, 120 Bilder pro Sekunde). Rechts: das Export-Video auf Basis der Proxy-Medien (Export-Auswahl: Originaldatei)

An den Armen und der Rückennummer des Ballkünstlers ist deutlich zu sehen, dass die Qualität leidet, wenn man Proxy-Filmchen exportiert. Die Konturen franzen aus, es bilden sich viele Artefakte. Eine tückische Falle. Denn nicht immer fällt der Unterschied zum Originalvideo so gravierend aus wie in diesem Beispiel. Vermutlich sind bereits viele Videos exportiert worden, die eigentlich in bester Qualität ins Netz gehen sollten – und dennoch nur mit magerer Bildrate gerendert worden sind.

Lösung: die Vorschau komplett neu berechnen

Das lässt sich nur vermeiden, wenn man vor dem Export die Vorschau im Schnittfenster zurück auf Originalmedien stellt. Das ist bitter. Denn spätestens jetzt stoßen genau die Rechner an ihre Grenzen, die mit den Vorschau-Filmchen eigentlich geschont werden sollten. Alle Clips und Effekte in der Timeline müssen neu berechnet werden, bevor der Film in ordentlicher Qualität exportiert werden kann. So endet das Projekt nach der schnellen Schnippelei im Proxy-Modus dann doch noch in einer ärgerlichen Render-Arie.

Die bestmögliche Qualität wird nur dann exportiert, wenn der Nutzer vor dem Export auf die Vorschau mit Originalmedien wechselt

Wer den fertig geschnittenen Film in bestmöglicher Qualität exportieren möchte, der muss auf den kleinen Pfeil oberhalb des Vorschaufensters klicken und unter „Medien“ die Auswahl „Optimiert/Original“ treffen.

Fairphone

Das Fairphone im Kurztest

Telefonieren mit einem guten Gefühl: das Fairphone macht’s möglich. Das Gerät wird seit einigen Wochen an die Kunden ausgeliefert, zum Teil vier Monate später als von den Machern angekündigt. 325 Euro kostet das größtenteils fair produzierte Telefon. Doch wie gut ist das Gerät wirklich? Kann es sich mit Smartphones messen, die derzeit auf dem Markt sind? Ich habe mir ein Fairphone genauer angeschaut, das mir Jan Schneider freundlicherweise für einen Test überlassen hat.

Das Fairphone hinterlässt einen soliden ersten Eindruck. Der Touchscreen aus „Dragontrail Glass“ fühlt sich wertig an, der Metalldeckel auf der Rückseite wertet das ansonsten weitgehend aus Plastik gefertigte Gehäuse deutlich auf. Die Abdeckung lässt sich leicht entfernen, der Akku ist schnell ausgetauscht, genau wie die Sim-Karten, die sich unter der Klappe verbergen. Allerdings liegt das Gerät im Vergleich mit der Smartphone-Konkurrenz recht schwer in der Hand. Mit seinen 170 Gramm wiegt es etwa 40 Gramm mehr als das Google Nexus 5 und das iPhone 5S.

Die Kamera knipst einwandfreie Bilder

Am Zubehör hat das Fairphone-Team zugunsten der Umwelt gespart. Netzteil und Kopfhörer werden nicht standardmäßig mitgeliefert. Die Fairphone-Macher begründen das damit, dass viele Kunden bereits ein USB-Ladekabel und einen Kopfhörer zuhause hätten. Daher wird das Zubehör nur bei Bedarf mitgeschickt.

Im Inneren ist das Telefon ist mit 16 Gigabyte Speicher ausgestattet, die Systemdaten werden auf 1 Gigabyte zusätzlichem RAM ausgelagert. Wem das nicht genügt, der kann sein Fairphone mit einer microSD-Speicherkarte um bis zu 64 Gigabyte aufrüsten. Einer der größten Pluspunkte des Telefons ist allerdings nicht die Leistung, sondern der doppelte Sim-Slot. Unter der Akkuklappe ist Platz für zwei Mikro-Sim-Karten, die parallel betrieben werden können. Einer der Steckplätze beherrscht die Datenübertragung im UMTS-Netz, die Karte im anderen Slot funktioniert zumindest im GSM-Netz. Somit lassen sich berufliche und private Anrufe auf dem Telefon bündeln. Das ist eine sinnvolle Option für alle, die zwei Nummern haben, aber nur ein Telefon benutzen wollen.

Fairphone

Unter dem Metalldeckel verbergen sich die beiden Sim-Slots und der leicht austauschbare Akku.

Auch den Kamera-Vergleich mit der Android-Mittelklasse-Konkurrenz muss das Telefon nicht scheuen. Auf der Rückseite ist eine 8-Megapixel-Kamera verbaut, auf der Vorderseite eine Kamera mit 1,3 Megapixel. Die Verschlusszeiten sind gering, schnelle Schnappschüsse sind mit der Hauptkamera kein Problem. Und die Bilder können sich durchaus sehen lassen. Bei Aufnahmen im tageslichthellen Büro fokussiert die Kamera rasch, die Objekte werden scharf dargestellt. In schattigen Räumen kommt die Linse allerdings schnell an ihre Grenzen. Ohne Blitzlicht ist es kaum möglich Objekte in aller Schärfe abzulichten, wenn man aus der Hand fotografiert.

Fairphone Kamera Test

Das Fairphone macht ordentliche Bilder, wenn das Licht stimmt.

Leider hat das Fairphone-Team ziemlich an der Leistung gespart. Das Telefon hinkt mit seinem Quadcore-Prozessor mit 1,2 Gigahertz deutlich hinterher. Das zeigt unter anderem ein Benchmark-Test des Tech-Portals „Golem“. Dort stellten die Autoren dem Telefon sehr schlechte Noten aus. Selbst im Vergleich mit älteren Modellen wie dem Google Nexus 4 schneidet das Telefon schlecht ab und erreicht nur wenige Punkte etwa bei Geekbench 3. Vor allem die Grafikleistung lässt zu wünschen übrig: das Fairphone erreicht bei den Bildraten-Messungen nur einen Bruchteil der Punkte des Nexus 4, das immerhin bereits seit mehr als einem Jahr auf dem Markt ist.

Die gute Nachricht: davon ist im Alltagsgebrauch nicht viel zu merken. Die Android-Version 4.2.2, die vorab installiert ist, läuft reibungslos auf dem Fairphone. Der Touchscreen reagiert flott auf alle Eingaben, die Apps öffnen sich rasch, ein Wischen wechselt den Bildschirminhalt ohne spürbares Ruckeln.

Mehr bezahlen für einen guten Zweck

Doch den Fairphone-Produzenten kommt es ja auch weniger auf die Leistung an, sondern vielmehr auf das gute Gefühl, das mit dem Telefon verkauft wird.  So bezieht das Team etwa Zinn aus konfliktfreien Gebieten im Kongo, wo die Mitarbeiter zudem fair bezahlt werden und Mitspracherecht haben. Das Team spendet für jedes verkaufte Telefon einen Betrag von drei Euro an Recycling-Projekte wie „Closing the loop“, die in Entwicklungsländern dafür sorgen, dass Smartphones ordentlich recycelt werden.

Doch längst nicht alle Metalle im Fairphone sind auch wirklich in konfliktfreien Gebieten abgebaut worden. „Zwei der Metalle, die das Gerät enthält, sind konfliktfrei: das Zinn in der Lötpaste und das Tantal in den Kondensatoren“, sagte ein Fairphone-Sprecher in Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Zu 100 Prozent konfliktfreie Materialien zu verwenden, sei jedoch schwierig, weil die Lieferketten schwer zu kontrollieren seien.

Fazit

Das Fairphone ist ein solides Android-Smartphone, das sich tapfer im Mittelfeld positioniert. Die Leistung ist eher unterdurchschnittlich, reicht aber für den Smartphone-Alltag mit E-Mail-Abruf, einer flinken Recherche im Internet und einer schnellen Partie „Candy Crush“ locker aus. Die großen Bonuspunkt des Fairphones sind der doppelte Simkarten-Slot und die leicht austauschbaren Bauteile.

Klar, es gibt in dieser Preiskategorie schnellere Mobiltelefone. Doch wer gerne den mobilen Luxus eines Smartphones genießt, nicht ständig die neuesten 3D-Spiele auf dem Telefon zockt und für eine gute Sache gerne ein paar Euro mehr investiert, der ist mit dem Fairphone ziemlich gut beraten.

iPhone 5C

Apple und die bizarre Plastikstrategie

Apple verwirrt die Verbraucher mit einem skurrilen Plastikplan. Denn mit dem neuen iPhone 5C präsentiert der Konzern nichts anderes als das veraltete Vorjahresmodell in einem Kunststoffmantel. Damit sieht das Gerät günstig aus. Das ist es aber ganz und gar nicht.

Apple galt jahrelang als unangefochtener Spitzenreiter im Bereich der hochpreisigen, aber auch hochwertigen Mobiltechnologie. Zurecht. Der Konzern präsentierte bei vergangenen Keynotes grundsätzlich Geräte, die einen Ticken feiner produziert waren als die Modelle der Konkurrenz: aus Aluminiumblöcken gefräst, mit Gorilla-Glas gepanzert und mit Graphitlegierung verziert. So auch das brandneue iPhone 5S, der „Gold-Standard unter den Smartphones“, wie Phil Schiller am Dienstagabend sagte, der Vize-Marketingchef bei Apple. Gut, das mag so sein. Das neue iPhone reiht sich durchaus ein in die Galerie der Luxusgeräte.

Doch was genau soll das iPhone 5C denn bitte sein? Das Gerät sieht aus wie Spielzeugtelefon aus der Wühlkiste im Supermarkt. Statt eines hochwertigen Gehäuses hat Apple das Handy einfach in eine billige Plastikschale gestopft. Technisch unterscheidet sich das Telefon vom iPhone 5 lediglich durch einen etwas besseren Akku und eine höher aufgelöste Frontkamera. Mehr Neuigkeiten stecken nicht drin. Kurz: das iPhone 5C ist das ein Jahr alte iPhone 5, nur optisch abgespeckt.

Nun gut. Da steckt bestimmt eine Strategie dahinter, möchte man glauben. Der Konzern sucht sich wohl eine neue Zielgruppe aus. Die Idee: wer sich kein ausgereiftes iPhone 5S leisten will, der greift eben zum billigen Plastikbruder. Spart Geld und hat immerhin ein Modell, dessen Technologie um lediglich ein Jahr gealtert ist.

Das iPhone 5C ist alles andere als günstig

Doch weit gefehlt. Das iPhone 5C ist alles andere als günstig. 600 Euro soll das Gerät mit der geringsten Ausstattung kosten, also etwa 70 Euro weniger als das optisch edlere Vorgängermodell iPhone 5, das immerhin in einen Graphitmantel gehüllt war. Selbst das neue Spitzenmodell iPhone 5S kostet nur knapp 100 Euro mehr. Wer die 32-Gigabyte-Variante des iPhone 5C kauft, der kann sich zum gleichen Preis auch ein 16-Gigabyte-Modell des iPhone 5S leisten.

Also, wer bitte soll jetzt genau die Zielgruppe sein? Plastikfreaks und Farbenfreunde, die sich auf eine Sparversion des iPhones gefreut haben? Eher nicht. Dafür ist das Gerät einfach zu teuer. Das hat auch die Analysten in China irritiert. Denn dort kosten die Geräte noch viel mehr als in den USA, wie „The Register“ berichtet. Ein iPhone 5C kostet dort genauso viel wie ein entsperrtes iPhone 5S in den Vereinigten Staaten. Das freut in China höchstens die Konkurrenz: denn deren Geräte kosten dort meist nur die Hälfte eines iPhones oder sogar noch weniger.

Wer ist denn dann die Zielgruppe? Bleiben eigentlich nur noch Apple-Fans, die ein hochwertiges Smartphone kaufen wollen, aber 100 Euro zu wenig im Sparschwein haben. Oder iPhone-Fans, die gerne in ein Edelhandy investieren, aber nach außen hin den Anschein erwecken wollen, dass sie ein Billigprodukt gekauft haben.

So verfolgt Apple weder eine Billigheimer-Strategie, noch das Gegenteil davon. Der Konzern steckt ein Vorjahresmodell in einen Plastikmantel und verkauft es teuer. Das ist gar keine Strategie.

Google Chromecast

Google attackiert das Airplay-Imperium

Endlich ein Gerät mit Aussicht auf Erfolg. Lange hat es gedauert. Und bisher hat es einfach kein Hersteller geschafft, die Streamingbox Apple TV vom Thron zu stoßen. Doch das könnte sich jetzt ändern: mit dem Chromecast-Stick von Google. Nach dem Rohrkrepierer Google TV ein erneuter Versuch des Suchmaschinenkonzerns, den Streaming-Markt aufzumischen.

Das wird auch höchste Zeit. Denn bisher gibt es schlicht kein Gerät, das digitale Bilder, Songs und Videos so schnell und einfach über das kabellose Netzwerk auf den Fernseher streamt wie Apple TV. Ein Klick auf das Airplay-Symbol genügt, schon flimmert der Bildschirminhalt von Macbook, iPad und iPhone über den großen Flatscreen im Wohnzimmer.

Eine Funktion, an der die Konkurrenz bisher kläglich gescheitert ist. Nicht daran, ein autarkes Abspielgerät zu entwickeln. Keineswegs: reine Streamingboxen gibt es genügend, die Online-Dienste wie Youtube und Vimeo sowie Internet-Radiosender im Netz ansteuern. Darunter beispielsweise Google TV und die Roku-3-Box, die in vielen Tests besser abgeschnitten hat als Apple TV. Aber eben nur als Gerät, das eigenständig Inhalte aus dem Netz saugt – und nicht von einem mobilen Rechner aus mit Bildern und Videos versorgt wird.

Sobald Bildschirminhalte von Smartphone oder Laptop auf den Fernseher gespiegelt werden sollen, kapitulieren Geräte wie die Roku-Box. Störungsfreies Streamen hat bisher kein Konzern so hinbekommen wie Apple. Zu Recht stellt das kalifornische Unternehmen die Konkurrenten mit einem Marktanteil von 56 Prozent in den Schatten.

Ein Streaming-Stick für alle

Chromecast soll Apple TV nun von der Spitze verdrängen. Und nicht nur der Preis von 35 Dollar (etwa 27 Euro) im Vergleich zu 100 Euro für Apple TV spricht dafür, dass der Angriff auf das Airplay-Imperium erfolgreich verlaufen könnte. Denn Google verzichtet auch auf ein geschlossenes System, wie es bei Airplay der Fall ist. Der Chromestick harmoniert nicht nur mit Android-Geräten, sondern auch mit allen anderen Betriebssystemen. Damit erschließt sich Google eine große Zielgruppe: nahezu alle Computer- und Smartphone-Nutzer.

Zwar erwähnt Google in einem Werbeclip für Chromecast ausdrücklich Windows-Rechner als geeignete Zuspieler für den Stick. Später im Video heißt es dann aber, das es mit allen Geräten klappt, die Chrome benutzen. Das bedeutet: auch Apple-User können den Stick bespielen. Damit wildert Google direkt im Apple-Revier. Gut so. Das belebt den stagnierenden Streaming-Markt. Die Zeiten sind  vorbei, in denen sich Apple auf der Airplay-Innovation ausruhen konnte.

Landlord Game

Entwickler geben nach Proteststurm auf

Geldmangel, Serverprobleme, Proteststürme: nach eineinhalb Jahren kapitulieren die Entwickler des Smartphone-Spiels „Landlord“. In einem Blogbeitrag hat der Chefentwickler James Shrager am Mittwochabend mitgeteilt: „Mit großer Trauer und Bedauern muss ich ankündigen, dass Landlord am Freitag, den 28. Juni, abgeschaltet wird.“ Er habe kein Geld mehr um das Spiel weiter zu betreiben, zudem „kann ich aufgrund der andauernden Serverprobleme und der extrem negativen Nutzerbewertungen nicht weitermachen“. Das Ende kommt überraschend.

Vor wenigen Tagen sah es noch so aus, als würde die Spiele-App ein glorreiches Comeback feiern. Erst am Montag war eine neue iPhone-Version im Apple App-Store erschienen und auch Android-User können seit dieser Woche mitspielen. Mit einem großen Relaunch sollte alles besser werden. Vor allem sollten die ächzenden Server entlastet werden. Denn stabil hat die App selten funktioniert. Ständig brach die Verbindung ab, auch mit mehreren Updates haben die Entwickler das Problem nicht in den Griff bekommen. Ständig beklagten sich die Nutzer über die fehlerhafte Software. Doch von der Spielidee waren sie begeistert.

Landlord spielt sich wie ein digitales Echtzeit-Monopoly. Mit einem virtuellen Startkapital kaufen die Spieler sich Gebäude wie den Eifelturm in Paris, den Münchener Hauptbahnhof und den Berliner Flughafen. Die Voraussetzung: man muss sich in einem Umkreis von wenigen hundert Metern aufhalten, um sich ein Grundstück zu kaufen. Wer also viel unterwegs ist, hat einen Vorteil.

Landlord-Ende ist eine große Enttäuschung für viele Spieler

Die App ist mit der mobilen Check-In-Spiel Foursquare verbunden. Jeder Check-In wird über eine Schnittstelle an die Landlord-Datenbanken übertragen. Und davon hängt auch der Erfolg der Landlord-Spieler ab: Jedes Mal, wenn sich ein Nutzer per Foursquare in einem Gebäude eincheckt, verdient ein Landlord-Spieler damit virtuelles Geld, wenn er das Gebäude besitzt. Je beliebter die Plätze, desto teurer sind sie. Für einen Großstadt-Bahnhof zahlt der Spieler meist mehrere Millionen Euro. Allerdings checken dort täglich mehrere hundert Menschen ein. Sprich: damit lassen sich auch mal eine Million Euro am Tag verdienen.

Das Ende von Landlord ist eine große Enttäuschung für viele Spieler. „Wow. Ich bin wirklich traurig das zu hören“, schreibt ein Nutzer in den Kommentaren. Ein anderer Kommentator schreibt: „Zu schade, es war ein tolles Spiel.“ Einige Spieler sind vor allem deswegen enttäuscht, weil sie viel gereist sind, um bei Landlord erfolgreich zu sein. „Und was bitte ist mit all der Zeit, die ich damit verbracht habe, die ganzen Grundstücke überall auf der Welt zu kaufen?“, schreibt ein Nutzer als Reaktion auf das App-Aus.

Den letzten großen Proteststurm hatte James Shrager mit der Ankündigung losgetreten, die Profile aller Nutzer zurückzusetzen. 25 Gebäude durften die Nutzer mitnehmen, den Rest mussten sie aufgeben. Mit dem Entschlackungs-Relaunch sollten die Server stabilisiert werden und die neuen Android-Nutzer eine faire Chance bekommen. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, schrieb Shrager damals. Doch die Nutzer protestierten weiter. Nun ist es den Entwicklern zu bunt geworden. Sie hören auf und bieten an, das Spiel zu übernehmen.

Apple - Mac Pro

Mac Pro – Innovation sieht anders aus

Okay, seien wir mal ehrlich: die einzige Überraschung auf der Apple-Keynote am Montagabend war die Vorstellung des Mac Pro. Ein hübscher kleiner Zylinder mit ordentlich Rechenpower. Mit diesem glänzenden Schmuckstück versucht Apple nun, sich wieder den Anstrich eines innovativen Unternehmens zu verpassen. Phil Schiller, der Marketing-Vizechef bei Apple, drückte es mit den folgenden Worten bei der Vorstellung des Mac Pro aus: „Wir können nicht mehr innovativ sein? So ein Blödsinn.“

Doch ganz ehrlich, Apple: Mit einem Desktop-Rechner wollt ihr die Kritiker besänftigen? Klar, der neue Mac Pro ist doppelt so schnell wie sein Vorgänger. Es sind alle Anschlüsse eingebaut, die Schnittprofis für die TV-Produktion der Zukunft benötigen. Und vor allem sieht das Ding richtig gut aus. Das Problem: der Mac Pro ist und bleibt ein Tischrechner. Und diese Zeiten sind nun einmal vorbei.

Und zwar seit mindestens fünf Jahren. Damals sind die Notebooks an Desktop-PCs vorbei gezogen. Einem Reuters-Bericht zufolge sind im dritten Quartal 2008 erstmals mehr Notebooks verkauft worden als Desktop-Rechner. Apple müsste sich eigentlich daran erinnern. Es war die große Zeit des Computer-Konzerns aus Cupertino, der mit seinen hübschen Alu-Geräten die Konkurrenz locker abhängte, weil dort lediglich klapprige Plastikkisten produziert wurden. Heute sieht das anders aus: Auch mit den Netbooks der Konkurrenz kann man sich mittlerweile gut im Straßencafé sehen lassen.

Aber zurück zur Innovation: iTunes hat die Musikbranche revolutioniert. Nutzer haben wieder angefangen, für Lieder im Netz zu bezahlen. Das iPhone hat den Smartphone-Markt komplett auf den Kopf gestellt. Fast jeder Pendler hat seine Mails längst durchgelesen, bevor er überhaupt im Büro angekommen ist. Das iPad verkauft sich wie geschnitten Brot und ist auf einem guten Weg, eine lukrative Einnahmequelle für Verlage zu werden.

Nun kann die Konkurrenz wieder aufatmen: Apple hat einen Desktop-Rechner vorgestellt. Ja, innen steckt die neueste Computertechnik, das Gerät ist rund, schwarz und glänzt. Aber ein bisschen Case-Modding wird die Technikwelt nicht verändern, lieber Phil Schiller. Innovation, my ass.

mailbox

Dropbox kauft die Makel-Mailbox

Der Hype war ziemlich groß. Die Entwickler von Orchestra haben die kostenlose E-Mail-App „Mailbox“ für das iPhone als Revolution der Mailprogramme angekündigt. Einfacher, schneller, sicherer. Gut, das versprechen viele App-Entwickler. Doch richtig interessant wurde die ganze PR-Aktion mit dem Trick der künstlichen Verknappung. Etwa vier Wochen habe ich gewartet, so lange hat es gedauert, bis die Warteschlange vor mir abgebaut war und ich die App benutzen durfte. Zu Beginn waren immerhin etwa eine halbe Million Nutzer vor mir an der Reihe.

Jetzt habe ich Mailbox ausprobiert. Tolles Programm, wirklich einfach zu bedienen. Mit diversen Wischbewegungen lassen sich die Mails bequem löschen und archivieren. Ein kurzer Wisch nach rechts archiviert die Nachricht, ein langer Wisch löscht die Mail.

Doch Mailbox hat einen großen Haken: die App ruft lediglich Nachrichten eines Google-Mail-Accounts ab. Klar, es klappt auch mit mehreren Gmail-Konten. Aber was bitte ist mit anderen Mail-Providern im Netz? Und mit Microsoft Exchange? Ich selbst habe mittlerweile fünf Mail-Adressen, die ich regelmäßig abrufe. Davon sind nur zwei bei Google Mail.

Obwohl die App damit viele Nutzer ausschließt, hat der Cloud-Konzern Dropbox nun zugeschlagen und Orchestra gekauft. Laut Techcrunch hat Dropbox etwa 100 Millionen Dollar für die App hingeblättert und mit dem Angebot wohl auch Yahoo ausgestochen. Dieser Deal lässt hoffen: Denn es soll wohl noch ein bisschen an der App geschraubt werden. „Wir freuen uns alle darauf, Mailbox noch besser zu machen“, heißt es in einem Beitrag des Dropbox-Blogs.

Liebes Dropbox-Team: das ist auch dringend nötig. Denn so lange Nutzer ausgeschlossen werden, die kein Google-Mail-Konto benutzen, verpufft der Hype auch ganz schnell wieder. Berücksichtigt doch bitte, dass nicht alle E-Mails auf dieser Welt über Google versendet werden. Auch nicht alle Mails der Dropbox-Kunden.

Für mich ist Mailbox derzeit völlig ungeeignet. Mit dem iOS-eigenen Programm Mail lassen sich alle Konten optimal verwalten. Und so viel schlechter ist die Bedienung von Mail dann doch nicht. Nicht so viel schlechter, dass ich die Google-Mail-Konten an Mailbox ausgliedern würde und den Rest bei Mail belasse.