Android-Smartphone

Das Fairphone im Kurztest

Von Jörg, 2.02.2014 | Keine Kommentare » |
Fairphone

Telefonieren mit einem guten Gefühl: das Fairphone macht’s möglich. Das Gerät wird seit einigen Wochen an die Kunden ausgeliefert, zum Teil vier Monate später als von den Machern angekündigt. 325 Euro kostet das größtenteils fair produzierte Telefon. Doch wie gut ist das Gerät wirklich? Kann es sich mit Smartphones messen, die derzeit auf dem Markt sind? Ich habe mir ein Fairphone genauer angeschaut, das mir Jan Schneider freundlicherweise für einen Test überlassen hat.

Das Fairphone hinterlässt einen soliden ersten Eindruck. Der Touchscreen aus “Dragontrail Glass” fühlt sich wertig an, der Metalldeckel auf der Rückseite wertet das ansonsten weitgehend aus Plastik gefertigte Gehäuse deutlich auf. Die Abdeckung lässt sich leicht entfernen, der Akku ist schnell ausgetauscht, genau wie die Sim-Karten, die sich unter der Klappe verbergen. Allerdings liegt das Gerät im Vergleich mit der Smartphone-Konkurrenz recht schwer in der Hand. Mit seinen 170 Gramm wiegt es etwa 40 Gramm mehr als das Google Nexus 5 und das iPhone 5S.

Die Kamera knipst einwandfreie Bilder

Am Zubehör hat das Fairphone-Team zugunsten der Umwelt gespart. Netzteil und Kopfhörer werden nicht standardmäßig mitgeliefert. Die Fairphone-Macher begründen das damit, dass viele Kunden bereits ein USB-Ladekabel und einen Kopfhörer zuhause hätten. Daher wird das Zubehör nur bei Bedarf mitgeschickt.

Im Inneren ist das Telefon ist mit 16 Gigabyte Speicher ausgestattet, die Systemdaten werden auf 1 Gigabyte zusätzlichem RAM ausgelagert. Wem das nicht genügt, der kann sein Fairphone mit einer microSD-Speicherkarte um bis zu 64 Gigabyte aufrüsten. Einer der größten Pluspunkte des Telefons ist allerdings nicht die Leistung, sondern der doppelte Sim-Slot. Unter der Akkuklappe ist Platz für zwei Mikro-Sim-Karten, die parallel betrieben werden können. Einer der Steckplätze beherrscht die Datenübertragung im UMTS-Netz, die Karte im anderen Slot funktioniert zumindest im GSM-Netz. Somit lassen sich berufliche und private Anrufe auf dem Telefon bündeln. Das ist eine sinnvolle Option für alle, die zwei Nummern haben, aber nur ein Telefon benutzen wollen.

Fairphone

Unter dem Metalldeckel verbergen sich die beiden Sim-Slots und der leicht austauschbare Akku.

Auch den Kamera-Vergleich mit der Android-Mittelklasse-Konkurrenz muss das Telefon nicht scheuen. Auf der Rückseite ist eine 8-Megapixel-Kamera verbaut, auf der Vorderseite eine Kamera mit 1,3 Megapixel. Die Verschlusszeiten sind gering, schnelle Schnappschüsse sind mit der Hauptkamera kein Problem. Und die Bilder können sich durchaus sehen lassen. Bei Aufnahmen im tageslichthellen Büro fokussiert die Kamera rasch, die Objekte werden scharf dargestellt. In schattigen Räumen kommt die Linse allerdings schnell an ihre Grenzen. Ohne Blitzlicht ist es kaum möglich Objekte in aller Schärfe abzulichten, wenn man aus der Hand fotografiert.

Fairphone Kamera Test

Das Fairphone macht ordentliche Bilder, wenn das Licht stimmt.

Leider hat das Fairphone-Team ziemlich an der Leistung gespart. Das Telefon hinkt mit seinem Quadcore-Prozessor mit 1,2 Gigahertz deutlich hinterher. Das zeigt unter anderem ein Benchmark-Test des Tech-Portals „Golem“. Dort stellten die Autoren dem Telefon sehr schlechte Noten aus. Selbst im Vergleich mit älteren Modellen wie dem Google Nexus 4 schneidet das Telefon schlecht ab und erreicht nur wenige Punkte etwa bei Geekbench 3. Vor allem die Grafikleistung lässt zu wünschen übrig: das Fairphone erreicht bei den Bildraten-Messungen nur einen Bruchteil der Punkte des Nexus 4, das immerhin bereits seit mehr als einem Jahr auf dem Markt ist.

Die gute Nachricht: davon ist im Alltagsgebrauch nicht viel zu merken. Die Android-Version 4.2.2, die vorab installiert ist, läuft reibungslos auf dem Fairphone. Der Touchscreen reagiert flott auf alle Eingaben, die Apps öffnen sich rasch, ein Wischen wechselt den Bildschirminhalt ohne spürbares Ruckeln.

Mehr bezahlen für einen guten Zweck

Doch den Fairphone-Produzenten kommt es ja auch weniger auf die Leistung an, sondern vielmehr auf das gute Gefühl, das mit dem Telefon verkauft wird.  So bezieht das Team etwa Zinn aus konfliktfreien Gebieten im Kongo, wo die Mitarbeiter zudem fair bezahlt werden und Mitspracherecht haben. Das Team spendet für jedes verkaufte Telefon einen Betrag von drei Euro an Recycling-Projekte wie „Closing the loop“, die in Entwicklungsländern dafür sorgen, dass Smartphones ordentlich recycelt werden.

Doch längst nicht alle Metalle im Fairphone sind auch wirklich in konfliktfreien Gebieten abgebaut worden. „Zwei der Metalle, die das Gerät enthält, sind konfliktfrei: das Zinn in der Lötpaste und das Tantal in den Kondensatoren“, sagte ein Fairphone-Sprecher in Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Zu 100 Prozent konfliktfreie Materialien zu verwenden, sei jedoch schwierig, weil die Lieferketten schwer zu kontrollieren seien.

Fazit

Das Fairphone ist ein solides Android-Smartphone, das sich tapfer im Mittelfeld positioniert. Die Leistung ist eher unterdurchschnittlich, reicht aber für den Smartphone-Alltag mit E-Mail-Abruf, einer flinken Recherche im Internet und einer schnellen Partie „Candy Crush“ locker aus. Die großen Bonuspunkt des Fairphones sind der doppelte Simkarten-Slot und die leicht austauschbaren Bauteile.

Klar, es gibt in dieser Preiskategorie schnellere Mobiltelefone. Doch wer gerne den mobilen Luxus eines Smartphones genießt, nicht ständig die neuesten 3D-Spiele auf dem Telefon zockt und für eine gute Sache gerne ein paar Euro mehr investiert, der ist mit dem Fairphone ziemlich gut beraten.


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