Kampf gegen "Buzzfeed", "Heftig" und Co.

Facebook drückt die falschen Knöpfe

Von Jörg, 26.08.2014 | Keine Kommentare » |

Facebook sagt „Buzzfeed“, „Heftig“ und Co. den Kampf an. Klickfänger-Beiträge sollen künftig abgestraft werden. Doch die Methoden des sozialen Netzwerks sind mehr als fragwürdig.

Eine Dankeswelle schwappt Facebook entgegen. Der Grund: das soziale Netzwerk will die Timelines der Nutzer zu einem Ort ohne Klickfänger-Überschriften machen. Es soll Schluss sein mit Heftigstyle, Clickbait-Beiträge sollen verbannt und Postings mit falschen Versprechungen abgestraft werden. Das sorgt für Erleichterung im Netz. „Endlich“, titelt „Mobilegeeks“ und freut sich auf die Sanktionen gegen „Buzzfeed“, „Heftig“ und Co. Und Daniel Fiene verkündet eine „gute Nachricht“ für die Nutzer in seinem Blog.

Der Schritt ist nachvollziehbar. Schließlich haben Clickbait-Portale wie „Buzzfeed“, „Upworthy“ und „Heftig“ die Lockmechanismen perfektioniert und mit Facebook die perfekte Plattform gefunden, um massenhaft neugierige Leser auf ihre Seiten zu locken. Dem sozialen Netzwerk schmeckt das gar nicht. Immer wieder schrauben die Entwickler an der Timeline der Nutzer, die Inhalte sind längst nicht mehr chronologisch aufgelistet, sondern von unzähligen Faktoren beeinflusst.

Doch nun verliert Facebook immer mehr die Kontrolle, während „Buzzfeed“ und Co. die Timelines übernehmen. Die Entwickler wirken beinahe hilflos, in der Mitteilung von Facebook heißt es: „Mit der Zeit verdrängen Clickbait-Überschriften den Inhalt von Freunden und Seiten aus der Timeline, für die sich die Nutzer wirklich interessieren.“  Nun sagt das soziale Netzwerk dem Heftigstyle den Kampf an.

Doch wie genau sollen die Übeltäter eigentlich enttarnt werden? Laut Facebook sollen die Statusmeldungen einzeln überprüft werden. Natürlich nicht manuell. Die Kontrolle übernimmt ein Algorithmus. Doch welche Kriterien zeichnet eine Klickopfer-Überschrift aus, die automatisch erkannt werden soll? Facebook erklärt in Ansätzen, was den Heftigstyle in einer Beitragsüberschrift auszeichnet:

1. Wenn die Nutzer auf einen Link klicken und unmittelbar danach zurück zu Facebook kommen, dann könne man davon ausgehen, dass sie nicht das gefunden haben, was sie gesucht haben.

2. Wenn viele Nutzer auf einen Link klicken, aber verhältnismäßig wenig Leser den Beitrag kommentieren oder mit „Gefällt mir“ markieren, dann geht man bei Facebook auch von Clickbait-Einträgen aus.

„Buzzfeed“ und Co. müssen keine Angst haben

Wie bitte? Beweise für Statusmeldungen im Heftigstyle sind also die Verweildauer auf dem Artikel und die „Gefällt mir“-Angaben unter dem Posting? Sprich: ein Facebook-Beitrag ist kein Klickfänger, wenn sich dahinter ein langer Text verbirgt, der den Leser bis zum Schluss fesselt. Das hat ziemlich wenig miteinander zu tun. Ein Beispiel: Redakteure teilen eine Eilmeldung bei Facebook und die Leser klicken auf den Link zur Meldung, die aus wenigen Sätzen besteht und den Kern der Nachricht transportiert. Ein kurzer Absatz, den man in wenigen Sekunden überflogen hat. Die Leser kehren also schnell wieder zurück zu Facebook. Nach der neuen Regel: klares Clickbaiting.

Das Portal „Heftig“ kommt da meist besser weg. Die Nutzer fragen sich, was wohl in diesem unglaublich rührenden Video passieren wird und klicken auf das Facebook-Posting. Auf dem Portal finden sie den eingebetteten Clip, den sie sich anschauen. Das dauert. Den Verweildauer-Wettbewerb hat „Heftig“ in diesem Fall also gewonnen. Mit Klickfängerei hat das reichlich wenig zu tun – und der Strafmechanismus trifft die Falschen.

Schauen wir uns das zweite Kriterium an, das Klickopfer-Beiträge identifizieren soll. Die Anzahl der „Gefällt mir“-Angaben und die Kommentare unter dem Facebook-Beitrag. Wenn es danach geht, dann müssen sich „Buzzfeed“, „Upworthy“ und „Heftig“ keine Sorgen machen. Die Beiträge der Portale zählen bis zu zehntausende Likes und Kommentare. Und die meisten dieser Nutzer werden den Artikel zuvor auch angeklickt haben. Denn das ist schließlich das Ziel der Heftigstyle-Headlines.


Journalismus, Social Media

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